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Gutenbergschule Reutlingen - Grundschulmodell

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Ergänzender Artikel

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[Bearbeiten] Gutenberg-Schule Reutlingen - Grundschulmodell in den 1970er Jahren

ein Beitrag vom damaligen Schulleiter Jörg Haug von 2011

Am 22. Januar 1973 wurde die Gutenbergschule in Reutlingen als einzige Grundschule in das Programm der Modellschulen des Landes Baden-Württemberg aufgenommen. Schon 1968 hatte die Pädagogische Hochschule Reutlingen einen Schulversuch eingerichtet, der nun unter Einbeziehung aller beteiligten Gruppen in den Status der Modellschule übergeführt wurde. Oberstes Gremium war die Planungsgruppe, in der das Kultusministerium, die Schulverwaltung, die Stadt Reutlingen, Eltern, Pädagogische Hochschule, Schulleitung und Lehrer der Gutenbergschule, Vertreter der weiterführenden Schulen und das Institut für Bildungsplanung und Studieninformation vertreten waren. Zur Vorsitzenden der Planungsgruppe wurde Prof. Dr. Hildegard Kasper von der Pädagogischen Hochschule berufen, an ihrer Seite das Büro mit Geschäftsführerin und Sekretärin.

Beeindruckend war damals zunächst einmal die Zahl der Grundschüler, die im Stadtteil Orschel-Hagen unterrichtet wurden. Jede Klassenstufe wurde in 7 Parallelklassen geführt. Zeitweise waren das in 28 Klassen mit rund 35 Schülern je Klasse bis zu 960 Grundschüler. Liebenswert und bezaubernd waren die Kinder in ihrer Aufgeschlossenheit, ihren oft fast ungebremsten Interessen, Ideen , Vorstellungen und Aktivitäten. Beeindruckend die Lehrerinnen und Lehrer, die für diese Aufgabe in Zusammen-arbeit mit der Pädagogischen Hochschule ausgewählt und fast alle jünger waren als der damals 35 jährige Schulleiter Dr. Jörg Haug. Überzeugend das Engagement der Eltern, die sich uneingeschränkt, aber auch kritisch für die Schule und ihre Kinder interessierten und einsetzten.

In der Phase der Modellschularbeit von 1973 bis 1976 konzentrierte sich die Arbeit in Projektgruppen auf die Forschungsgebiete Englisch in der Grundschule (Hanna Sattler), Neue Mathematik (Siegfried Kothe), verbunden mit Differenzierungsmaßnahmen in Form von Kurssystemen und Pädagogisch-psychologischer Begleitforschung (Berthold Thiel), Weiterentwicklung des heimatkundlichen Gesamtunterrichts zum mehr natur- und sozialwissenschaftlich geprägten Sachunterricht (Jörg Haug) und Differenzierung am Schulanfang im Erstleseunterricht (Kurt Meisers). Zentrale Ziele waren u.a. die Förderung der selbstverantwortlichen Eigenständigkeit, die Selbststeuerung der Lernprozesse von Kindern und die Reduzierung lehrer-dominanten Verhaltens ("Lernen des Lernens"), ein hohes Maß an Differenzierung und Förderung der individuellen Kräfte des einzelnen Kindes und die generelle Transparenz des Schullebens.

Die damalige Zeit war geprägt von der Bereitschaft, Schule und ganz besonders die Grundschule weiter zu entwickeln mit der Zielsetzung bestmöglicher Förderung aller Begabungen und Ausgleich von Startnachteilen. Deshalb waren Frühförderung der Kinder, Vorschulerziehung und frühere Einschulung angesagt.

Mit von Einfluss darauf war der Start des ersten unbemannten Satelliten durch die UDSSR, der in Amerika den sogenannten „Sputnikschock“ auslöste. Als Folge empfahl der Deutsche Bildungsrat 1970 die prinzipielle Wissenschaftsorientierung des Lehrens und Lernens für alle Schularten, wich jedoch davon bald wieder ab und richtete sein Augenmerk stärker auf die „Förderung praxisnaher Curriculumentwicklung“. Diese Tendenzen wurden an der Gutenbergschule sehr genau verfolgt. Die einzelnen Arbeitsgruppen hatten aber vor allem immer die Kinder, ihre Lernvoraussetzungen, Interessen und Möglichkeiten im Blick und entwickelten ihre Vorschläge auf dieser Basis.

Das Schulleben war allenthalben an der Ausgestaltung der einzelnen Klassen-zimmer erkennbar. Mit unendlichem Eifer und fast unerschöpflichen Ideen schleppten die Kinder Möbel, Teppiche, Bilder und andere Einrichtungsgegenstände heran, um die Klassenzimmer anregungsreicher zu machen. Sie bastelten Regale und Trenn-wände, richteten Leseecken und Zonen für einfache Experimente ein. Die Schule selbst stellte eine Fülle von Sachbüchern, Nachschlagewerken, Literatur, Experimentier- und Bastelmaterialien u.a. zur Verfügung nach der Devise „Vom Klassenzimmer zur Lernumgebung“ (so der Titel einer daraus resultierenden Publikation). Personell und materiell war die Schule hervorragend ausgestattet. Das brachte aber auch die Verpflichtung mit, sich voll für die Aufgabe einzusetzen. Und das taten die Lehrkräfte, indem sie sich hausintern und extern fortbildeten. Jede Projektgruppe war verpflichtet, einmal in der Woche zu tagen. Jeden Freitagnachmittag kam das gesamte Kollegium zur Konferenz zusammen. Nach anfänglicher Skepsis entwickelte sich auch bei den weiterführenden Schulen eine zunehmende Akzeptanz durch gegenseitige Hospitationen und Informationen.

Die Gutenbergschüler selbst waren auch außerhalb des Unterrichts ständig aktiv. Die Stadtbibliothek erhielt immer wieder Hinweise von Lehrerinnen und Lehrern, welche Themen beispielsweise im Sachunterricht geplant waren. Dann konnten die Kinder sich dort Fachliteratur besorgen, die sie eifrig studierten und in den Unterricht durch Berichte, kleine Vorträge, Bildmaterial und Texte einbrachten. Wie sehr das Interesse an den Entwicklungen aus der Gutenbergschule von außen wahrgenommen wurde, geht auch daraus hervor, dass neben zahlreichen Berichten in der Presse viele Besuchergruppen kamen, darunter Hochschullehrer, Kollegien, Schulleiter, Vertreter aus der Schulverwaltung, Gäste aus England bis hin zum Besuch von Erwin Schwarz , dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Grundschule aus Frankfurt 1973.

[Bearbeiten] Was ist geblieben ?

Ohne Abstriche kann von heute (im Jahr 2011) aus festgestellt werden, dass die Kinder mit Begeisterung bei der Sache waren: Im Englischunterricht gelang es, sie vor allem zum aktiven mündlichen Sprachhandeln zu führen, im differenzierten Mathematik- und Erstleseunterricht wurden die Schüler entsprechend ihren Fähigkeiten optimal gefördert, Der Sachunterricht griff die Lebenswelt der Kinder auf und führte sie in einer anregungsreichen Lernumgebung zu selbstständigem Handeln und Lernen, wobei die Verfahren des Lernens eine entscheidende Rolle spielten. Eine Fülle von Ideen ging in den Bildungsplan für die Grundschule in Baden-Württemberg 1977 ein und konnte dadurch an den anderen Grundschulen verwirklicht werden, leider nicht der Englischunterricht, der mit so viel Erfolg erprobt worden war und von allen Beteiligten rundum positiv beurteilt wurde. Zahlreiche Anregungen und Ideen aus der Modellschule wurden an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen und in der Lehrerfortbildung durch Hochschul-vertreter und Lehrerinnen und Lehrer der Gutenbergschule aufgegriffen und weiter getragen. Viele Lehrkräfte der Schule übernahmen Schulleitungen oder auch Aufgaben in der Schulverwaltung und konnten das Gedankengut dort weiter verbreiten. Und natürlich ist die Reihe der Publikationen zu erwähnen, die aus der Arbeit an der Gutenbergschule bis zum Ende des Modellstatus 1976 und auch noch danach hervorgegangen sind.

[Bearbeiten] Literatur zum Thema (Auswahl):

  • Brigitte Bernecker, Jörg Haug, Siegfried Klöpfer, Rudolf Lettmann, Kurt Meiers: Information: Gutenbergschule Reutlingen, Grundschulmodell. o.O und o.J. (1973).
  • Deutscher Bildungsrat (Hrsg.): Zur Förderung praxisnaher Curriculum-Entwicklung, Stuttgart 1974.
  • Mechthild Eggern-Linke : Grundschulmodell Gutenbergschule Reutlingen Orschel-Hagen. Abschlussbericht mit Beiträgen der einzelnen Arbeitsgruppen. Reutlingen 1976.
  • Dieter Haarmann u.a. (Hrsg.): Lehren und Lernen in der Grundschule. Braunschweig 1977. Darin: Grundschulmodell Gutenbergschule Reutlingen.
  • Rolf Siller: Sachunterricht in der Grundschule. Mit einem Beitrag von Jörg Haug über das Projekt Sachunterricht der Gutenbergschule Reutlingen. Donauwörth 1981.
  • Jörg Haug (Hrsg.): Sachunterricht in der Grundschule- Methoden und Beispiele. In: Lehren und Lernen, Reihe B, Nr. 3 (Sonderheft).
  • Jörg Haug: Die Gutenbergschule Reutlingen - Ein Grundschulmodell. In: Lehrer-gilde Rundbrief, 23. Jg. 1973, H.2.
  • Jörg Haug: Die Gutenbergschule, Presseberichte, Abschlussbericht (Mechthild Eggern-Linke) u.a. In: Stadtarchiv Reutlingen unter StadtA RT. Gutenbergschule unverz.
  • Jörg Haug, Gottfried Schuler: Niveaukurse im Mathematikunterricht der Grundschule - Ein Erfahrungsbericht. In: Hildegard Kasper (Hrsg.):Differenzierungsmodelle für die Grundschule. Stuttgart 1974.
  • Jörg Haug, Hildegard Kasper, Arno Piechororwski: Wege des Lernens im Sachunterricht der Grundschule. In: Erich H. Müller (Hrsg.): Planungshilfen zum Sachunterricht. Ulm 1976.
  • Hildegard Kasper (Hrsg.): Differenzierungsmodelle für die Grundschule. Stuttgart 1974.
  • Hildegard Kasper (Hrsg.): Vom Klassenzimmer zur Lernumgebung. Ulm 1979.
  • Uwe Köster: Die Lernenden sind wichtiger als die Lehre. In: Halbfas, Maurer, Popp: Neuorientierung des Primarbereichs, Bd. 2, Lernen und soziale Erfahrung, Stuttgart 1974.
  • Siegfried Kothe: Fallstudien in Grundschulklassen. In: Beiträge zum Mathematikunterricht, Hannover 1973,
  • Kultusministerium Baden-Würtemberg (Hrsg.): Modelle und Versuche für die Bildungsreform. Reihe "Bildung für die Welt von morgen", Stuttgart 1973.
  • Kultusministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Grundschulreform - Chance für unsere Kinder, Reihe B Nr. 14, Villingen 1973.
  • Kurt Meiers: Didaktische Konzeptionen zur Eingangsstufe. In: Blätter des Pestalozzi-Fröbel-Verbandes H. 3 (1974).
  • Kurt Meisers: Erstlesen. Bad Heilbrunn 1977.
  • Walter Popp: Reutlingen: Gutenbergschule - Grundschule in Verbindung mit der Pädagogischen Hochschule Reutlingen. In: Bildung in neuer Sicht, Reihe A Nr. 15, Villingen 1968.
  • Hermann Rieger: Die Ausbreitung des Schalls in der Luft. In: Reflektierte SchulPraxis, Villingen 1970.
  • Hanna Sattler: Englisch an der Grundschule ab Klasse 2. Erfahrungsbericht zu einem Unterrichtsversuch der Abteilung Englisch der Pädagogischen Hochschule Reutlingen. In: Der fremdsprachliche Unterricht, 1970 H.15.
  • Berthold Thiel: Fördern durch Lernkontrollen in der Grundschule. In: Die deutsche Schule. Darmstadt 1977.
  • Helmut Veitshans: Luft ist ein Körper. In: Reflektierte Schulpraxis. Villingen 1970.
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